Glück im Unglück 9. July 2017

Vielleicht braucht es manchmal einfach einfach einen kleinen Dämpfer, um in die richtige Bahn gelenkt zu werden. Es war ein kalter und nasser Freitagabend an einem Februar, ich war mir mit Menschen vor der Kamera immer noch nicht ganz sicher, und so wollte ich zu einer Veranstaltung mit sagen wir mal etwas extrovertierteren Menschen, die es wohl auch eher gewöhnt sein müssten von fremden Kameras abgelichtet zu werden. Doch das wenige Selbstvertrauen, dass ich mir über den Tag irgendwie aufgebaut hatte wurde jäh zerstört, als ich die erste Person ansprach und als Antwort nur die Gegenfrage bekam, für welches Magazin ich denn fotografieren würde und meine perplex dahingestammelte Antwort "Äh, für gar keins..." nicht gerade wohlwollend aufgenommen wurde. Ich weiß nicht wie ich mit noch mehr Absagen dieser Art umgegangen wäre, und so zog ich lieber von dannen.

Nun lag der Film aber bereits in der Kamera, also lief ich die Torstraße in Berlin auf und ab, machte hier und da ein paar Aufnahmen, solange jedenfalls bis Sie mir entgegen kam. Ob sie wohl auch auf dem Weg zu dieser Veranstaltung war? Der Weg würde ja passen. Und selbst wenn nicht... Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach sie an, ob ich wohl ein Portrait von mir machen dürfte, während ich ihr die alte analoge Kamera zeigte. An den Wortlaut kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich war überrascht dass sie sofort einwilligte, überrascht und vor allem völlig unvorbereitet. Ich bat sie, sich in Richtung eines ausgeleuchteten Schaufensters zu drehen, schätzte währenddessen die Belichtungszeit, komponierte das Bild im Lichtschachtsucher und drückte ab. Mit meiner Visitenkarte in ihrer Hand trennten sich unsere Wege, und schlagartig war ich euphorisiert, hoffte so sehr, dass gerade dieses eine Foto etwas geworden ist, hatte den Dämpfer wegen der Veranstaltung völlig vergessen.

Sie hat sich nicht mehr gemeldet, und bis heute weiß ich nicht, wer sie ist. Manchmal frage ich mich immer noch, ob ihr das Foto gefallen hätte.