Scheiss auf alles 10. March 2014

Das ist ein Foto, was ich mit meinem drei Jahre alten Smartphone im Hafen von Cala Rajada auf Mallorca, gemacht habe, wo ich mich die letzten paar Tage aufgehalten habe. Da ich sowieso schon im quadratischen Format fotografiere habe ich nur noch einen Filter angewendet und das Foto exportiert, während wir gerade zurück nach Palma fuhren. Als sich das Foto auf meinem Display auftat ärgerte ich mich für einen kurzen Moment, was für ein tolles Motiv das doch ist, und warum ich es nicht mit meiner „richtigen” Kamera gemacht habe, die doch in meinem Rucksack war. Aber es war egal. Was wäre denn besser gewesen, hätte ich es mit meiner Mittelformatkamera aufgenommen? Ja klar, die Auflösung wäre höher gewesen, ich hätte größere Abzüge machen können. Es wäre richtiges Filmkorn gewesen, kein digitales Rauschen. Und vielleicht, ganz vielleicht hätte es sogar mehr Details gegeben. Und dennoch: nichts was ich anders hätte machen können hätte etwas an dem Foto verbessern können. Für mich ist es genau so perfekt, wie es ist.

Scheiss auf neue Kameramodelle jedes Jahr, die übernächstes Jahr eh wieder veraltet sind. Scheiss auf Identifizierung über Marken. Scheiss auf noch größere Sensorgrößen. Scheiss auf höhere Megapixelzahlen für Fotos, von denen man ehe keine Prints macht. Scheiss auf noch höhere ISO-Bereiche, damit ich nachts fotografieren kann als wäre es Mittag. Scheiss auf Pixelvergleicherei und Nörgeln über jeden kleinen Fehler einer Kamera, die man auf echten Fotos sowieso nicht mehr bemerkt. Scheiss auf die Entscheidung, welche Linse für welche Situation am besten sei. Scheiss auf endlose Nachbearbeitung. Scheiss auf Film. Scheiss auf alternative Prozesse um des Prozesses willen. Scheiss auf stundenlange Sitzungen in der Dunkelkammer für den perfekten Abzug. Scheiss aufs Hochladen jedes durchschnittlichen Bildes an alle Ecken des Internets für die 15 Minuten Ruhm. Scheiss auf alles. Denn am Ende interessiert sich niemand dafür. Was wirklich zählt ist das Foto. Und nur das.

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