Christoph Boecken

Portraitfotograf aus Berlin

06.01.2017, 14:15 Uhr

Wie ich meine Fotos organisiere

Natürlich gibt es keinen allgemein gültigen Weg und jeder hat da so seine ganz eigenen Vorlieben und Workflows, da wir nun aber ein neues Jahr haben und damit mein Workflow wieder von vorne beginnt dachte ich mir, ich könnte selbigen auch mal aufschreiben, um vielleicht ein paar Anregungen zu geben.

Warum das Ganze? Als die Anzahl meiner Negative noch recht überschaubar war konnte ich mir alles auch noch merken, ab einer gewissen Summe ist das aber so gut wie nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass man bei der Arbeit in der Dunkelkammer auch eben schnell die Negative wiederfinden möchte. Gleiches gilt natürlich auch für die digitale Arbeit.
Ich hatte die ersten zwei Jahre eigentlich gar kein System, was mir im Endeffekt nichts brachte außer mehrere Wochenenden voll nachträglichem sortieren, katalogisieren, verschlagworten und sehr viel fluchen.

Der Scan

Die frisch entwickelten Negative werden zunächst gescannt, in meinem Fall als TIFFs mit 16 Bit Graustufen oder 48 Bit Farbe, je nachdem. Der Dateiname setzt sich in den allermeisten Fällen aus dem Namen der Person vor der Kamera, gelegentlich auch dem Ort, der Veranstaltung, je nachdem was ich eben fotografiert habe sowie einer fortlaufenden Nummer zusammen:


max-mustermann-1.tiff
max-mustermann-2.tiff
...
max-mustermann-23.tiff

Soweit also nichts neues. Die so entstandenen Scans landen alle in einem temporären Verzeichnis, aus dem sie dann in die entsprechende Software importiert werden.

Der Katalog

Vorneweg: Hier hat vermutlich jeder seinen eigenen Favoriten, da mir Lightroom aber seit Version 3 gute Dienste leistet und ich nicht das Gefühl habe, irgendetwas zu vermissen bin ich auch dabei geblieben.

Meine Fotos sind in jährliche Kataloge unterteilt, jedes Jahr erstelle ich also einen neuen Katalog. In den letzten drei Jahren habe ich etwa 4000-5000 Fotos jährlich gescannt, was noch recht überschaubar ist. Andere kommen da sicher schnell in sechsstellige Regionen, so dass auch kürzere Intervalle denkbar wären. So stelle ich aber sicher, dass die Kataloge schön klein und damit auch schnell bleiben.

Der Import

Die Scans werden jetzt in den Katalog importiert und dabei an der richtigen Stelle auf der Festplatte in ein neues Verzeichnis verschoben, dass sich aus dem Datum sowie nochmals dem Namen der Person, des Events, des Ortes usw. zusammensetzt, also z.B.:


20160530-max-mustermann
20160602-marie-musterfrau
20160727-warnemuende

Mehr Informationen als eine chronologische Sortierung brauche ich hier nicht. Es gibt hier noch Ratschläge, mit mehreren Unterordnern zu arbeiten, in denen die Rohdateien, die bearbeiteten Fotos sowie die exportierten Bilder liegen. Eine Weile habe ich auch mal so gearbeitet, aber so richtige Rohdaten habe ich eigentlich nicht, meine Bearbeitungen geschehen in Lightroom und können deswegen jederzeit rückgängig gemacht werden, und Exporte speichern halte ich für unsinnig.

Zusätzlich, und das ist der wichtige Part, werden die Fotos verschlagwortet: zwingend den Namen sowie eine fortlaufende Nummer, zusätzlich noch die Namen der beteiligten Personen. Eine Zeitlang speicherte ich zudem noch Informationen wie Kamera und Film, habe aber schnell gemerkt, dass ich darauf eigentlich eh nie zurückgreife.

Was hat es mit dieser fortlaufenden Nummer auf sich? Jedes Shooting unterteile ich in einen Zehnerabschnitt, jede Filmrolle erhält dabei eine Nummer. So wäre das oben angegebene Shooting mit Max Mustermann beispielsweise im Bereich 1-10, das Shooting mit Marie Musterfrau im Bereich 11-20, Warnemünde 21-30 und so weiter. Die erste Filmrolle aus dem Shooting mit Max Mustermann erhält die Nummer 1, die zweite Rolle die Nummer 2, die vierte Rolle aus dem Shooting mit Marie Musterfrau die Nummer 14 und so weiter. Zehnerblöcke sind für mich völlig ausreichend, üblicherweise habe ich pro Shooting etwa sechs bis acht Filme, und wenn es wirklich mehr als zehn sein sollten kann ich einerseits auch flexibel sein und den Abschnitt erweitern - also bspw. auf 1-20 - und mich andererseits fragen, ob ich nicht zuviele Fotos gemacht habe und was mir das eigentlich gebracht hat...

Jedes Foto eines Films erhält also eben diese Nummer der Rolle. Der Import dauert dadurch zwar etwas länger, allerdings muss man das ja auch nur einmal machen. Und warum ist das wichtig?

Die Negative

Die Negative lagern in Acetathüllen, die sich für Kontaktabzüge eignen, und die wiederum in Archivordnern verstaut sind, im Moment etwa zwei normalgroße pro Jahr. Auf jede Hülle schreibe ich unten rechts die fortlaufende Nummer, und sortiere diese so im Ordner, dass die kleinste Nummer ganz oben, die größte Nummer ganz unten liegt - wie bei einem Buch. Und jetzt dürfte es hoffentlich auch klar sein, warum ich den ganzen Aufwand betreibe: ein bestimmtes Negativ zu finden ist kinderleicht, ich muss lediglich in den Schlagworten des Scans nach der Nummer suchen und dann ganz einfach im Ordner nachschlagen - mehr Informationen brauche ich ja nicht!

Das Backup

Ihr macht doch alle Backups, ja? Gut.

Nachdem die Arbeit mit Lightroom beendet wurde führe ich ein Skript aus, dass den Ordner mit dem Katalog sowie den Ordner mit den Fotos auf eine zweite Festplatte im Rechner synchronisiert. Das ist nicht ganz optimal, ich weiß, eigentlich sollte sich das Backup auch physisch an einem anderen Ort befinden. Ich kann allerdings nicht sagen, dass ich mit der Lösung bisher schlecht gefahren bin.
Das Backup von Lightroom habe ich deaktiviert, da ich mit meiner Lösung dafür keine Notwendigkeit sehe.

Fotos und Kataloge aus den vergangenen Jahren befinden sich auf zwei externen Festplatten, die mit "1" und "2" nummeriert sind. Sollte der Fall eintreten, dass ich doch nochmal ein Fotos aus dem letzten Jahr bearbeiten möchte, was gerade so kurz nach der Jahreswende ja noch häufig vorkommt, so nutze ich dafür die Festplatte "1" und synchronisiere die Änderungen auf Festplatte "2". Die Fotos befinden sich nur auf den beiden Festplatten, nirgendwo sonst. So weiß ich, dass sie einerseits den gleichen Inhalt haben und andererseits auf dem aktuellsten Stand sind.

Und das ist eigentlich auch schon alles. Auf Zwischenschritte, Exports oder ähnliches bin ich an dieser Stelle nicht eingegangen, da das mit der Organisation ja nichts bzw. nur wenig zu tun hat. Vielleicht hat es dem ein oder anderen ja ein wenig geholfen. Ich für meinen Teil bin mit diesem Workflow jedenfalls sehr zufrieden.