Reflexion + 1

1. January 2019

"2018 soll jedenfalls kein Jahr des Stillstands werden." - So habe ich die letzte Reflexion über meinen Fotografie beeendet, die ich letztes Jahr hier veröffentlicht habe. Um dann doch nicht so wirklich viel von dem umzusetzen, was da noch so drin stand.

Guter Einstieg, nicht wahr? Und wahrscheinlich könnte ich diesen Beitrag nahezu vollständig hier rein kopieren und keiner würde es merken und er hätte auch immer noch nichts an Aktualität verloren. Aber mal so unter uns, so schlecht ist das eigentlich nicht. Ja okay, ich bin auch in diesem Jahr nur sehr selten aus meiner Komfortzone ausgebrochen, gleichzeitig fühle ich mich damit aber auch wohl und spüre so etwas wie Zufriedenheit über das Geleistete, und für mich war das dieses Jahr wohl wichtiger als sich in neuen Dingen zu probieren.

Mein ganzer Dank gilt deswegen auch wieder den Menschen, die sich vor meine Kamera gestellt haben, so dass wir zusammen etwas schönes erschaffen konnten. Ich sage das vielleicht nicht oft genug, stimmt, aber ich möchte auch nicht dass es irgendwann wie eine hohle Phrase klingt, die unter jedem Foto steht, gerade wenn es von Herzen kommt. Ich halte es nach wie vor nicht für selbstverständlich, ich bin auch noch vielen Jahren immer noch vor jeder Session ein wenig aufgeregt und nervös und hoffe einfach, das alles klappt. Aber, und das ist das Wichtige: ich behalte von jeder Session nicht nur die Fotos, sondern auch und gerade die Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die Gespräche, die Vertrauensbasis, die wir in den paar Stunden aufgebaut haben. Es geht nicht darum danach die allerbesten Freunde zu werden, das ist natürlich Quatsch, aber meine Art der Fotografie hat auch mit Loslassen zu tun, und dazu gehört nun mal Vertrauen. Auch von meiner Seite. Ich habe in diesem Jahr auch wieder viel gelernt, über andere und auch über mich selbst. Nicht alles war erfreulich, nicht alles was ich getan habe war gut, einiges würde ich nicht nochmal machen, aber man lernt eben auch auch seinen Fehlern. Dass ich hier nicht von Technik spreche dürfte hoffentlich klar sein.

Aber die Frage, wo die Reise hingehen soll, die steht immer noch im Raum. Die Frage, wo man denn eigentlich hin will wenn Geld nicht der primäre Antrieb für die eigene Fotografie ist, das Portfolio sich aber gleichzeitig mit den immer gleichen Bildern füllt. Meine Ideen für größere Projekte sind immer noch da, meine Angst aber auch. Angst davor, zu versagen. Angst davor, in einem größeren Team derjenige zu sein, der es verkackt, der den anderen erklären muss, dass es vielleicht keine Fotos gibt. Eigentlich fühle ich mich in der analogen Fotografie sicher. Anscheinend aber nicht sicher genug. Und so wähle ich immer noch den leichteren Weg, selbst wenn mir dadurch Chancen nicht ermöglicht werden. Das Vertrauen, dass andere in mich setzen, es fehlt mir selber.

Jetzt geht es doch ein bisschen um Technik, sorry, aber es hat nun mal damit zu tun: ich habe im November das erste Mal wieder ganz bewusst eine digitale Kamera für eine Session eingesetzt. Ich sollte dazu noch erwähnen, dass mir Nachbearbeitung nicht liegt, ich mag sie nicht, ich bin nicht besonders gut darin, und in klassischer Retusche sind andere sowieso um Lichtjahre besser als ich. Meist war aber das Problem, dass ich im Vorfeld keine Idee hatte wie die Fotos später mal werden sollen, und fotografierte dann eher planlos rum. Keine guten Voraussetzungen jedenfalls.
Dieses Mal stand der Look aber schon vor dem Fotografieren fest, ähnlich wie bei analoger Fotografie schränke ich mich hier ganz bewusst ein und fühle mich gleichzeitig sicherer, denn so kann ich mich ganz aufs Fotografieren konzentrieren. Und Halleluja war das eine Offenbarung! Du siehst die Bilder zum ersten Mal und es stellt sich dieses Gefühl der Befriedigung ein, dass es eben doch geht, dass all diese Ideen auf einmal ein größes Stück näher gerückt sind. Dass die Angst weniger geworden ist. Mein Herz wird auch weiterhin an Fotografie auf Film hängen, aber es tut so gut zu wissen, dass es auch anders geht. Und es bleibt immer noch scheissegal, wie und womit ein Foto aufgenommen wurde.

Es fühlt sich ein bisschen wie Aufbruch an. Und das ist wichtig, denn die letzten drei Monate waren für mich persönlich nicht gut. Ich war antriebslos und gereizt. Es fiel mir zunehmend schwer mich an dem Erreichten zu erfreuen. Ich verschwendete meine Zeit mit Rumgeklicke im Internet anstatt sinnvolle Dinge zu tun. Ich nahm zu, bringe im Moment so viel auf die Waage wie noch nie zuvor und fühle mich körperlich beeinträchtigt. So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Gute Vorsätze am 1. Januar sind ja eigentlich blöd, schließlich kann man ja an jedem Tag im Jahr damit anfangen, aber so what. Ich habe meinen Planer für dieses Jahr jedenfalls mit "MAKE EVERY DAY COUNT" überschrieben. Am Ende eines jeden Tages möchte ich für mich feststellen, was ich denn heute erreicht habe. Vielleicht eine Trainingseinheit, um den Halbmarathon Anfang April zu schaffen und wieder auf ein Normalgewicht zu kommen. Vielleicht eine dieser Ideen vernünftig ausgearbeitet, oder gar umgesetzt. Vielleicht nur etwas vermeintlich banales wie dieser Blogbeitrag. Hauptsache der Tag wurde nicht vergeudet. Das ist mein Plan.

Und zu einem gewissen Teil möchte ich euch daran teilhaben lassen. Die letzten Monate gingen mir Facebook und Instagram gehörig auf die Nerven, weil dort passiert ja sowieso nichts und alles ist nur noch Business und Bilder sind nach einem Tag aus den Augen aus dem Sinn und wofür das Ganze und sowieso und überhaupt. Aber, und da hat Andreas Jorns eben recht, es liegt ja an einem selbst was man daraus macht: zeige ich kaum Interesse an den Platformen kann ich ja nicht erwarten, dass andere es tun, oder? Warum interessiert mich die oder der Fotografierte als Mensch, der Betrachter meiner Fotos aber nicht? Das kann es ja eigentlich nicht sein. Jemand sagte mal zu mir, dass man als Model so ein bisschen wie ein offenes Buch ist, während der Fotograf meist gänzlich unbekannt bleibt. Mal sehen ob ich im nächsten Jahr zumindest ein bisschen was daran ändern kann.

2019 soll jedenfalls kein Jahr des Stillstands werden. Es sind die gleichen Worte wie im letzten Jahr, ja. Aber sie haben sich ja auch nicht geändert.

Zwei Seiten der Medaille

10. November 2018

Analoge Fotografie hat mich unkreativ werden lassen

Zum alljährigen Kurzurlaub auf Mallorca habe ich dieses Mal entgegen meiner Gewohnheit eine digitale Spiegelreflexkamera mitgenommen. Ich erinnerte mich noch an die Fotos von Schottland und Kanada und dass ich mit den Landschaftsaufnahmen nicht so wirklich glücklich damit war, vor allem wollte ich mich aber nicht ständig aufs Fotografieren konzentrieren sondern gerne auch mal schnell einen Schnappschuss machen und dann lieber den Moment genießen. Am Ende ist die Kamera ja sowieso scheissegal, fragt eh keiner mehr nach. Am vorletzten Tag ergab es sich dann sogar noch, dass ich drei wunderbare Menschen fotografieren durfte - und erst mal so richtig schön ins Schwitzen kam, da mir digitale Fotografie halt doch nicht so ganz liegt. Und so sitze ich nach dem Urlaub am Schreibtisch, schlürfe den frischgebrühten Kaffee, öffne das Bildbearbeitungsprogramm meiner Wahl und sitze vor dem Rechner wie der Ochs vorm Berg.

Ich hätte an dieser Stelle alle Möglichkeiten der Welt, aber ich weiß nicht, was ich mit den Bildern machen soll. Ja okay, mir fehlt auch das technische Wissen, vor allem habe ich aber auch keine Vorstellung, wie es weiter gehen könnte. Und langsam aber sicher verfestigte sich der Gedanke, dass mich diese Fotografie auf Film zumindest im Anschluss unkreativ hat werden lassen. Es gab diesen Punkt schon einmal in meiner fotografischen Karriere, als ich von meiner allerersten Einsteigerkamera zu einem sehr guten Modell für Prosumer wechselte. Da gabs auf einmal keine Einschränkungen mehr, ich fotografierte deswegen aber auch ohne Sinn und Verstand einfach alles, was mir vor die Linse kam. Meine Fotos wurden dadurch nicht besser. Und so schiebe ich die Regler ein bisschen hin und her, probiere mal in die eine, dann in die andere Richtung. Es fehlte die Idee, genau wie jetzt. Der Kaffee wird langsam kalt.

Analoge Fotografie hat mich kreativ werden lassen

Ich kenne "meine" Filme. Ich weiß, wie sie sich in verschiedenen Lichtsituationen verhalten, ob ich lieber nochmal eine Blende mehr Licht gebe oder nicht. Ob ein Push oder Pull des angebenen ISO-Wertes für mein Foto sinnvoll ist. Wie ich das gemessene Licht verändern muss, um den Bildstil zu beeinflussen. Kann mir das Bild im Kopf schon gut vorstellen. Weiß, es schon nahezu fertig auf dem Negativ ist und ich in vielen Fällen nur wenig Hand anlegen muss.
Ich kenne meine Kameras. Weiß, welche Qualität die Linsen haben, oder auch welche Fehler sie in komplizierten Lichtsituationen produzieren. Ob ich bei einem Farbfilm lieber die eine oder doch die andere Kamera benutze. Ob es schnell gehen muss oder ob ich Zeit habe.
Oder anders gesagt: ich weiß genug über die Technik, dass ich mir so viel mehr Gedanken um das Bild selbst machen kann. Die meisten der großen Fotografen des letzten Jahrhunderts hatten den Meisterprinter ihres Vertrauens, so viel Glück habe ich natürlich nicht, meine Einstellung ist ansonsten aber ähnlich: was bei der Aufnahme passiert ist das Wichtige, alles danach ist natürlich nötig, aber für mich nicht mehr wichtig oder besonders interessant. Meine Kreativität liegt nicht mehr in der Technik danach, sondern bei der Aufnahme mittendrin.