Just ask somebody else?

1. June 2018
You cannot really be too concerned with what people think of you. You're on your own adventure of growth and discovery. So it's not always good to be who people think you are, especially if you subscribe to it as well ... which is easily done, because then you don't have to figure out who you are, you just ask somebody else.

Wenn man dem Internet glauben darf hat Tom Waits das irgendwann mal gesagt. Ob das nun stimmt oder nicht ist ja eigentlich auch egal, denn die Aussage wird ja nicht schlechter, sollte sie nicht von einem der bemerkenswertesten Künstler unserer Zeit gekommen sein. Zufälligerweise höre ich gerade einen Song von Iggy Pop und erinnere mich wieder an diese Szene aus Coffee & Cigarettes von Jim Jarmusch, als Iggy und Tom in dem Diner aufeinandertreffen. Zehn Minuten großartigste Unterhaltung. Auf Tom Waits selbst bin ich eher so zufällig über den Film Fight Club gestolpert, als Tyler Durden und der namenlose Erzähler zum ersten Mal in den Keller der Bar gehen und im Hintergrund Going Out West lief. Gar nicht mal so einfache Musik, die er da macht, aber gerade deswegen so interessant. Trifft genauso auf die Fotografie zu.

Na jedenfalls musste ich dann wieder an die paar Ereignisse in meiner fotografischen Laufbahn denken, die mich stilistisch in die Richtung gebracht haben, bei der ich jetzt halt so bin. Die Überraschung über diese Kaiserschnittnarbe an dem Model, dass ich im Februar 2016 fotografierte, und die ich noch auf keinem Foto vohrer gesehen hatte, weil die anderen Fotografen sie als nicht schön genug empfanden und wegretuschierten. Der Grusel, als ein anderes Model ein Foto bei Facebook zeigte, auf dem sie von der Fotografin völlig verunstaltet wurde, damit sie in ihre Plastikreihe der unterschiedlichen und doch allesamt gleich aussehenden Menschen passt. Die Sessions, die aus dem ein oder anderen Grund für mich eher ärgerlich waren, weil ich das Gefühl hatte ich bin hier nur Knipser und kein, naja, Künstler und soll irgendwas entsprechen, was ich nicht bin. Wenn Fotografen bei Facebook fragen, ob den Betrachtern ein Foto besser in Schwarzweiß oder in Farbe gefällt, ob man auch mal was aus dem Archiv zeigen soll oder sich mehr damit beschäftigen, wann man am günstigen ein Foto posten sollte als mit mit dem Foto selbst, anstatt einfach mal auf den Tisch zu hauen und "So und nicht anders!" zu sagen.
Joa, da muss man erst mal hinkommen, richtig. Ich sehe mich ja auch nicht als jemanden, der vorne weg läuft, im Gegenteil lasse ich mich immer noch gerne inspirieren, probiere mich hier und da aus, möchte manchmal auch Bilder mehr oder weniger ähnlich nachstellen. Aber das macht eben nur einen kleinen Teil aus. Der Rest, der bin ich.

Heute mache ich auch mal unscharfe Fotos. Fotos, die auch mal Fehler enthalten. Fotos, die nicht hochauflösend sind. Fotos, die unterbelichtet sind. Fotos, die so sind, wie ich sie gerne haben möchte. Sag auch mal Nö, wenn mir etwas nicht gefällt.
Klar befinde ich mich in der günstigen Lage, die Fotografie sozusagen nur als Hobby zu betreiben, aber selbst wenn man davon leben muss ist eine eigene Note doch so viel besser als irgendeinem Trend hinterherzuhecheln, der schon morgen nicht mehr angesagt sein könnte, und gleichzeitig als profilloser Fotograf in der Masse unterzugehen. Wenn ich gefragt werde sage ich, dass ich interessante Menschen fotografiere, ob sie "schön" sind ist mir dabei erst mal egal.

Roger Ballen ist ja sowieso ein großartiger Fotograf, hat aber auch die ganze Identität von Die Antwoord maßgeblich mitbestimmt. Entspricht ganz sicher nicht dem gängigen Schönheitsideal, aber du kannst beim Musikvideo zu I Fink U Freeky an jeder verdammten Stelle pausieren und hast ein interessanteres Portrait als 90% des Krams, der heute als Mainstream bezeichnet wird. Und ein Portrait, dass in Erinnerung bleibt.