Die Oberstufe habe ich auf einem Internat gemacht und 2005 mit dem Abitur abgeschlossen. Das Internet gab es da schon lange, klar, nur war es ohne Smartphones noch nicht allgegenwärtig, erst recht nicht dort: Computer in den Zimmern waren sowieso nur älteren Schüler*innen vorbehalten, WAP-Internet war einfach schon immer kompletter Müll und Zugang zum richtigen Netz gab es nur in den Computerräumen und der Bibliothek. Kann mich noch daran erinnern, wie Harry damals ein extralanges LAN-Kabel durch mehrere Fenster gelegt hat, weil sein Zimmer direkt über den Internetcomputern war. Bemerkt wurde das wochenlang gar nicht. Aber ich schweife ab.
Die Bibliothek war jedenfalls sehr gut ausgestattet, neben Unterhaltung mit so ziemlich jedem Buch, was man zum Lernen brauchen könnte. Man rühmte sich unter anderem, das gesamte Spiegelarchiv seit Beginn im Keller zu haben - heute dank Internet sicher nicht mehr so aufregend, damals dagegen schon eine kleine Sensation. Und es gab neben den PCs in den Computerräumen auch hier eine oder zwei Stationen für die Recherche.
Aber Hans T., mein PoWi-Lehrer, hat uns für Referate, Hausarbeiten, Hausaufgaben etc. Wikipedia bzw. das Internet stets verboten, wir sollten die Bibliothek nutzen. Klar haben wir es probiert und natürlich hat er es gemerkt. Erst nach meinem Abitur hat er meinem Jahrgang kurz und knapp erklärt, dass es neben dem Ergebnis auch immer um den Weg ging - die Fähigkeit zu erlernen, Dinge zu begreifen, einzuordnen, sich zu erarbeiten, ohne sofort alles präsentiert zu bekommen. Die wenigsten von uns werden irgendwas mit Politik und/oder Wirtschaft machen, aber die meisten von uns werden genau diese Fähigkeiten irgendwann in ihrem Leben brauchen.
Daran musste ich gerade denken, als ich diese Meinung in der NYT las - gleiches Problem heute mit AI, selbe Wirkung. Und bin mittlerweile sehr froh, dass Hans T. in diesem Punkt so ein pain in the ass war.