Reflexion

31. December 2017

Das schöne an einem nahezu unbekannten Blog eines beliebigen Berliner Fotografen ist ja, dass ich auch mal relativ frei von der Leber schreiben und euch an meiner kleinen Gedankenwelt teilhaben lassen kann. Zum Beispiel an meiner Reflexion über das vergangene Jahr, sich zu überlegen was denn nun eigentlich gut war, was vielleicht nicht ganz so gut, wo ich noch besser werden kann und wo ich überhaupt hin will.

2016 habe ich ja tatsächlich versucht von der Fotografie zu leben. So richtig mit Business Plan und einer mehrjährigen Übergangsphase, um nicht direkt ins kalte Wasser zu springen. Musste dann am Ende dieses Jahres aber feststellen, dass ich von meinem selbstgesteckten und eigentlich auch realistischen Ziel ziemlich weit entfernt war und dann beschlossen, die Fotografie wieder in meiner Freizeit zu betreiben. Man könnte das als Niederlage sehen, klar, und ich habe auch von einigen Seiten gehört dass ich eigentlich zu früh aufgegeben habe, aber eigentlich empfand ich es als recht befreiend: ich kann fotografisch wieder tun und lassen, was ich will. Hat 2017 eigentlich auch super funktioniert.

Mein ganzer Dank gilt deswegen auch den Menschen, die sich dafür vor meine Kamera gestellt haben, so dass wir zusammen etwas schönes erschaffen konnten. Ich sage das vielleicht nicht oft genug, stimmt, aber ich möchte auch nicht dass es irgendwann wie eine hohle Phrase klingt, die unter jedem Foto steht, gerade wenn es von Herzen kommt. Ich halte es nach wie vor nicht für selbstverständlich, ich bin auch noch vielen Jahren immer noch vor jeder Session ein wenig aufgeregt und nervös und hoffe einfach, das alles klappt. Aber, und das ist das Wichtige: ich behalte von jeder Session nicht nur die Fotos, sondern auch und gerade die Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die Gespräche, die Vertrauensbasis, die wir in den paar Stunden aufgebaut haben. Es geht nicht darum danach die allerbesten Freunde zu werden, das ist natürlich Quatsch, aber meine Art der Fotografie hat auch mit Loslassen zu tun, und dazu gehört nun mal Vertrauen. Auch von meiner Seite. Ich habe in diesem Jahr auch wieder viel gelernt, über andere und auch über mich selbst. Nicht alles war erfreulich, nicht alles was ich getan habe war gut, einiges würde ich nicht nochmal machen, aber man lernt eben auch auch seinen Fehlern. Dass ich hier nicht von Technik spreche dürfte hoffentlich klar sein.

Es gab diesen Punkt irgendwann im Herbst, wann genau weiß ich auch nicht mehr, aber ich erinnere mich noch dass ich einen Blick auf mein Portfolio geworfen und habe und das erste Mal seit langem wieder so etwas wie Zufriedenheit verspürt habe. Das mag komisch klingen, aber ich bin nun mal ziemlich selbstkritisch und sehe eher, was noch besser gehen könnte, wo ich Fehler gemacht habe anstatt mich über die bisherige Leistung zu freuen. Aber das war wirklich so ein "Joa, da kannste schon stolz drauf sein!"-Moment, auch in zwischenmenschlicher Hinsicht

Gleichzeitig aber auch wie immer die Frage, wo die Reise eigentlich hingehen soll? In irgendeinem der unzähligen Beiträge bei Facebook stellte ein Fotograf die nicht ganz unberechtigte Frage, wo man denn eigentlich hin will wenn Geld nicht der primäre Antrieb ist, das Portfolio sich aber immer mehr mit den gleichen Bildern füllt, oder ob es das dann eben ist. Ich denke da ja eh schon lange drüber nach, und in der Konsequenz hab ich immerhin schon mal den kleinen Schritt gemacht und Mitte September meinen Platz in einem Gemeinschaftsstudio aufgegeben, da ich dort gefühlt fast nur noch die gleiche Art Fotos gemacht habe. Und eigentlich weiß ich ja auch, was ich gerne machen möchte...

... wenn ich mir dabei nur nicht selber im Weg stehen würde. Ich habe Ideen, größere Ideen, ich möchte auf die Straße, vielleicht auch mal mit einem ganzen Team arbeiten, hatte dafür Anfang 2017 sogar noch ein neues Objektiv speziell für diesen Anwendungsfall angeschafft, und seitdem steht es ungenutzt auf dem Schreibtisch und ich habe Angst, dass ich es vergeige und irgendwie den anderen Beteiligten erklären muss, die natürlich Fotos erwarten. Ich halte mich nicht für Profi genug um aus jeder Situation stets das Beste rauszuholen, das war schon fast immer so, nicht nur in der Fotografie, und ich wähle dann meist den einfacheren Weg, selbst wenn er mich nicht zufrieden stellt. Da kommt wieder das Vertrauen ins Spiel, dieses Mal wohl in mich selbst.

Die letzten vier Monate habe ich so gut wie gar nicht fotografiert, was nach den letzten vier Jahren einfach mal verdammt gut getan hat. Ich möchte weiter Portraits machen, ganz klar, aber eben auch über meinen imaginären Schatten springen und all die Ideen, die schon nahezu ausformuliert in meinem Notizbuch stehen, mit den richtigen Menschen umsetzen. Mutiger sein. Ehrlicher zu mir selbst sein. Offener für Austausch mit anderen sein.

Ein wenig aufgeregt bin ich, gleichzeitig habe ich aber auch ein Gefühl der Vorfreude. 2018 soll jedenfalls kein Jahr des Stillstands werden.