In der Wäschekammer im Kinderkrankenhaus in Köln. Da war ich neunzehn Jahre alt. Die Wäschekammer war im Untergeschoss, direkt neben der Bettenaufbereitung, wo ich drei der fünf Arbeitstage pro Woche verbrachte, die anderen beiden waren im obersten Stockwerk in der Instrumentensterilisation. Das Untergeschoss mochte ich lieber, die Mitarbeiter dort waren alle ausgesprochen freundlich und ich fühlte mich wohl. Zu den anderen Zivildienstleistenden hatte keinen richtigen Kontakt.
In der Wäschekammer lief in der Ecke den ganzen Tag lautlos ein Fernseher, um wenigstens ein bisschen Unterhaltung zu haben während dort gewaschen, gemangelt, gefaltet und einsortiert wurde. Nicht oft, aber ab und zu standen im Gang keine benutzten Betten, die gewaschen, desinfiziert, neu bezogen und ins Lager oder auch direkt auf die Station geschoben werden mussten, so dass immer mal Zeit für einen Plausch oder eine Zigarette mit den Frauen aus der Wäschekammer gab. Im Sommer waren wir meistens draußen beim Lieferanteneingang, wenns zu kalt oder nass war auch einfach im Gang mit den benutzten Betten, da die Sensoren der Türen auf den Zigarettenrauch nicht reagierten.
Ihren Namen weiß ich leider nicht mehr, sie meinte nur, dass irgendwas passiert sei. Okay. Wir rauchten erst mal eine Zigarette, unsere erste kleine Pause um etwa 9 Uhr. Unsere Vorgesetzte kam vorbei, was wir denn hier rumsitzen würden, jetzt aber zack zack, die Wäsche faltet sich ja nicht von alleine. Sie war... okay, wie Vorgesetzte eben sind. Im Gang standen keine Betten, ich hatte also erst mal nichts zu tun, wir redeten weiter über Gott und die Welt, gingen zurück in die Wäschekammer. Im Fernseher flog gerade ein weiteres Flugzeug ins World Trade Center. Ich half ihr ein wenig beim Einsortieren, die Abläufe kannte ich ja.
Sie musste mich erst darauf aufmerksam machen, dass heute ja der 11. September ist. Ich hätte es sonst wohl tatsächlich vergessen.