22 Tage

22 Tage

von CHRISTOPH BOECKEN

Prolog

Städte in den USA, in denen ich bereits war:
1998 - San Francisco, Los Angeles, Las Vegas und alles, was dazwischen liegt.
2004 - New York
2010 - Los Angeles
2011 - New York

Vielleicht ist Städte ist die falsche Bezeichnung, vielleicht trifft Metropolen es besser. An San Francisco habe ich keine Erinnerung mehr: direkt nach dem wir gelandet sind wurde ich krank und lag mit 39°C Fieber im Hotelbett. Die Fahrt zum Hospital war, bedingt durch die Hügel in der Innenstadt sowie den verstärkten Stoßdämpfern des Taxis interessant, um es mal nett auszudrücken. Im Hospital selbst kam aus dem Nachbarzimmer unentwegt ein wehleidiges Wimmern, während meine Eltern und ich damit beschäftigt waren, die Diagnose von 104° Fahrenheit in Celsius umzurechnen. Und ich bekam meine ersten Pillendosen mit eigenen Namen drauf. Immerhin.

Los Angeles und New York sind mir dagegen noch gut in Erinnerung. L.A. beeindruckt allein schon durch seine schier endlose Weite, außerdem sind die Tapes gar nicht mal so schlecht, die man an Venice Beach von aufstrebenden Rappern zugesteckt bekommt, während man interessiert die Schilder für Medical Marijuana studiert oder an Muscle Beach darüber staunt, was anatomisch so möglich ist. Nicht unbedingt gut, aber eben auch nicht schlecht. Aber was weiss ich denn schon von Hip Hop.
In New York habe ich mich ein bisschen verloren, da ich beide Male nicht als der typische Tourist unterwegs war. Ich aß den besten Bagel in einer der dunkelsten Seitenstraßen von Manhattan, in die sich ein Fremder kaum trauen würde, spiele Basketball im Battery Park, und nur Stunden bevor ich in ein Flugzeug gen Heimat klettern sollte rauchte ich auf dem Dach eines 42stöckigen Wolkenkratzers mit mir nahezu unbekannten Menschen den letzten von vielen Joints, die in dieser Woche angezündet wurden, und hatte dabei einen Riesenbammel, dass das am Flughafen bemerkt werden könnte. Sowohl Los Angeles als auch New York sind unglaublich faszinierende Städte. Entschuldigung, Metropolen.

Aber das ist nur ein winziger Teil der USA, und ich habe mich immer gefragt, ob und wie ich das, was ich in drei genannten Städt… Metropolen bisher erlebt habe auf das gesamte Land übertragen kann. Die Idee, mit einem Auto einmal durch die Staaten zu fahren und sich selber ein Bild zu machen war schon länger da, vor zwei Jahren gar war eine solche Reise fix und fertig geplant, gebucht und bereit, angetreten zu werden, als ich allein durch pure Dummheit hinschmiss und die Idee vertagte. Ein Fehler, den ich nicht nochmal machen sollte.

Was mich erwartet? Ich weiss es nicht. Ich möchte mitnehmen, erfahren, möchte Menschen kennenlernen, mich mit ihnen unterhalten, einen Eindruck kriegen von den Vereinigten Staaten von Amerika. Das mag jetzt tiefgründig klingen, aber sagen wir einfach dass ich nur bedingt Lust auf das klassische Sightseeing habe und viel mehr an dem, in Anführungsstrichen, wirklichen Leben interessiert bin. Vielleicht erwarte ich auch zuviel. Aber dann habe ich es zumindest probiert.

Wir starten in San Francisco und fahren bis New York. Eine genaue Route haben wir noch nicht, außer dass es durch die Nordstaaten gehen wird ist nichts geplant. Morgen geht es los.