Jasper Fforde

Grau

Dystopie

★★★★

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Scheibenwelt in dystopischer und erwachsener? Ich denke das umschreibt es ganz gut, man braucht auf jeden Fall eine Weile, um die von Fforde erschaffene Welt zu verstehen, der Autor macht es einem mit seinem Humor hier aber auch leicht. Bis der dunkle Teil mehr und mehr Einzug hält, der wie eine moderne Version von 1984 daherkommt. Rückblickend ärgere ich mich, dass ich für Grau so wahnsinnig lange gebraucht habe, denn gerade zum Schluss hin wird es noch besser als bis dahin ohnehin schon. 4.5 von 5 Löffeln.

Fforde hat die Serie als Trilogie angesetzt: Grau erschien 2011, der Nachfolger Rot in... 2024. Ich möchte Rot wirklich gerne lesen, hab aber so ein bisschen Sorge, dass Fforde vielleicht einen auf George R.R. Martin machen könnte und das letzte Buch nie, oder auch erst in dreizehn Jahren schreibt und ich auf einem ordentlichen Cliffhanger sitzenbleibe. Puh. Mal sehen. Update: Fforde schreibt auf Ehemals-Twitter, dass der dritte Teil um 2027 kommen soll. Das wäre... immer noch weit weg, aber okay?

Juni 2024

  • Auf einer Gruppenausfahrt vom Ride Leader böse angemacht worden. Ich gebe ja zu, dass es nicht die beste Idee war mitzufahren, nachdem ich am Tag davor in der Muckibude noch einen harten Leg Day eingelegt habe, und trotzdem: ich kann in der Gesellschaft von Freunden und Bekannten sehr gut auch über mich selbst lachen, aber vor quasi-fremden Personen vorgeführt zu werden lässt mich nach wie vor sehr verschnupft zurück. Nachhaltig.
  • Rennradfahren ist (auch) Kopfsache.
  • Die Eltern für ein paar Tage besucht und mich wieder gefragt, was mich eigentlich noch in Berlin hält.
  • Diese Liste viel zu spät angefangen, den Monat Mai hab ich ja auch komplett verbasselt. Ich brauche Routinen in meinem Leben, sonst lasse ich alles verkommen. Hier wohl auch.

RCC Longest Day

Letzte Woche dann mehr oder weniger noch spontan dazu entschieden, am Sonntag mit dem Rapha Cycling Club den Longest Day zu fahren: von Berlin aus auf den Brocken und zurück nach Magdeburg, insgesamt etwa 375 Kilometer. Um die Distanz hab ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht, es war ja von Anfang an klar, dass das Ding in einer Gruppe und mit moderatem Tempo gefahren wird, da ich aber in diesem Jahr noch nicht einen einzigen Anstieg gefahren bin waren die Höhenmeter am höchsten Berg Norddeutschlands zumindest respekteinflößend. Um fünf Uhr morgens war Start, um 15 Uhr waren wir am Brocken und so gegen halb zehn Uhr abends dann am Magdeburger Hauptbahnhof. Um kurz nach 1 Uhr nachts dann erschöpft ins Bett gefallen.

Die besten Gruppen sind die, wo die stärkeren Fahrer*innen ganz selbstverständlich auch mehr Führungsarbeit übernehmen und keiner meckert, damit die anderen weiter hinten fahren und die Distanz ebenfalls schaffen können. Das hier war so eine Gruppe, und das war ziemlich toll.

Und wieder gemerkt, dass solche Distanzen auch viel Kopfsache sind. Den körperlichen Aspekt will ich gar nicht ignorieren, aber den Schweinehund zu ignorieren, der einem auf dem Hinweg immer wieder mal zuflüstert, diese und jene Abzweigung zu nehmen und einfach gleich nach Magdeburg zu fahren, oder unten am Brocken einfach zu warten bis die anderen wieder vom Anstieg wieder zurück kommen ist mindestens genauso wichtig. Nur bei der Verpflegung bräuchte ich noch ein bisschen mehr Disziplin. Also, äh, bei den Stops weniger konsumieren. Aber was muss das alles auch so lecker sein.

Vorbildlich organisiert, der Support-Van immer hinter uns, an den Stops mehr als genug und vor allem angemessene Verpflegung, tolle Mitfahrer*innen, das Wetter hat auch mitgespielt... war wirklich ein rundherum gelungener Tag. Gerne wieder.

ICQ

Vor ein paar Tagen schon die Nachricht bekommen, dass ICQ am 26. Juni 2024 seinen Dienst einstellt, und mein erster Gedanke war Bestürzung, mein zweiter Überraschung, dass es den Messenger überhaupt noch gibt, der dritte Gedanke war dann meine Nummer, die ich in knapp 25 Jahren anscheinend nie vergessen habe. Das Passwort zu dem Account allerdings schon. Ob da also immer noch irgendwer meiner damaligen Kontakte online ist wird wohl für immer ein Mysterium bleiben. Oder, naja, bis zum 26. Juni.

Und klar könnte mir das total egal sein, ich hab den Messenger seit weit über 15 Jahren nicht mehr benutzt, verbinde damit aber eben viel. Neben IRC und Teamspeak war ICQ für mich immerhin die erste Form der direkten Kommunikation übers Internet mit anderen, mit dem Vorteil, dass man Nachrichten auch nur dann erhielt wenn man überhaupt online war - heute ziemlich undenkbar. Und was damit alles einher ging, und was für ein spannender und toller und interessanter und neuer Ort dieses Internet noch war. Kein Facebook, keine Smartphones, kein always-on, Google war einfach nur eine exzellente Suchmaschine und Amazon ein Online-Buchhandel, Quake 3 Promode immer noch der Shooter der Wahl, bei Counterstrike sind wir alle bei Beta 6 hängen geblieben, bei Myspace gings darum wer die meisten "Freunde" sammeln konnte, MP3 CDs statt iTunes und Spotify, selbstgebrannte CDs mit DivX-Filmen tauschen, FCKGW... und alles hat sich irgendwie nach einem Raum für Möglichkeiten angefühlt, nicht nach einer Handvoll Konzerne, die das Internet mittlerweile unter sich aufgeteilt und seit Jahren jeglichen Spaß daraus genommen haben, ganz bewusst auf niedere Instinkte abzielen und weiter daran arbeiten, es zu einer kompletten (AI-)Shitshow zu machen, in der man einfach nur noch "ist".

Machs gut, ICQ. Mit dir verschwindet dann ein weiteres digitales Stück, dass mir mal sehr viel bedeutet hat. Und Danke für den Flashback zu schöneren Zeiten.