John Scalzi

When the moon hits your eye

3.5

Eines Tages wird der Mond zu Käse. That's it. Alles danach sind Kurzgeschichten, die in der ersten Mondphase stattfinden und unterschiedliche Protagonisten begleiten. Alles todernst und komplett absurd, wirklich jede Szene kann man sich problemlos als einen Kurzfilm vorstellen und es ist fast schon ein wenig schade, dass es keinen wirklichen roten Faden gibt, um aus dem ganzen Buch eine Filmadaption zu machen. Das Ende war für mich leider etwas unbefriedigend, ich wüsste allerdings auch nicht, wie Scalzi es hätte besser machen können. Dem Buch selbst schadet das aber nicht, es ist ganz wunderbar kurzweilig, witzig und unterhaltsam. Dreieinhalb von fünf Käselöchern.

The Memory Remains

In der Wäschekammer im Kinderkrankenhaus in Köln. Da war ich neunzehn Jahre alt. Die Wäschekammer war im Untergeschoss, direkt neben der Bettenaufbereitung, wo ich drei der fünf Arbeitstage pro Woche verbrachte, die anderen beiden waren im obersten Stockwerk in der Instrumentensterilisation. Das Untergeschoss mochte ich lieber, die Mitarbeiter dort waren alle ausgesprochen freundlich und ich fühlte mich wohl. Zu den anderen Zivildienstleistenden hatte keinen richtigen Kontakt.

In der Wäschekammer lief in der Ecke den ganzen Tag lautlos ein Fernseher, um wenigstens ein bisschen Unterhaltung zu haben während dort gewaschen, gemangelt, gefaltet und einsortiert wurde. Nicht oft, aber ab und zu standen im Gang keine benutzten Betten, die gewaschen, desinfiziert, neu bezogen und ins Lager oder auch direkt auf die Station geschoben werden mussten, so dass immer mal Zeit für einen Plausch oder eine Zigarette mit den Frauen aus der Wäschekammer gab. Im Sommer waren wir meistens draußen beim Lieferanteneingang, wenns zu kalt oder nass war auch einfach im Gang mit den benutzten Betten, da die Sensoren der Türen auf den Zigarettenrauch nicht reagierten.

Ihren Namen weiß ich leider nicht mehr, sie meinte nur, dass irgendwas passiert sei. Okay. Wir rauchten erst mal eine Zigarette, unsere erste kleine Pause um etwa 9 Uhr. Unsere Vorgesetzte kam vorbei, was wir denn hier rumsitzen würden, jetzt aber zack zack, die Wäsche faltet sich ja nicht von alleine. Sie war... okay, wie Vorgesetzte eben sind. Im Gang standen keine Betten, ich hatte also erst mal nichts zu tun, wir redeten weiter über Gott und die Welt, gingen zurück in die Wäschekammer. Im Fernseher flog gerade ein weiteres Flugzeug ins World Trade Center. Ich half ihr ein wenig beim Einsortieren, die Abläufe kannte ich ja.

Sie musste mich erst darauf aufmerksam machen, dass heute ja der 11. September ist. Ich hätte es sonst wohl tatsächlich vergessen.

Notizen #3

We've come a long way, baby. Ich schau mir ja ab und zu noch Steve Jobs' Ankündigung vom iPhone aus dem Jahr 2007 an, damals noch live vor Publikum, und wie unterhaltsam das einfach war, mit kleinen Gags und Sticheleien gespickt. Konnte den Hype damals nie so richtig nachvollziehen, warum man sich z.B. tagelang vor einen Store stellen muss für ein Gerät, dass man auch online bestellten und am gleichen Tag geliefert bekommen kann. Mittlerweile seh ich das ein wenig anders. Dare to be different und so.

Denn wie geleckt, komplett humorlos, völlig angepasst und damit auch völlig langweilig war im Vergleich dazu die Keynote zu den neuen Geräten von gestern abend. überwiegend Marketinggeblubber mit Superlativen an jeder Ecke, natürlich alles "best DEVICE ever", alles vorab aufgenommen um auch bloß keine Fehler zu machen. Kann man sich mittlerweile wirklich sparen.

Mind you: ich rede von der Keynote selbst, nicht von den vorgestellten Geräten. Da müssen ja sowieso erst mal tatsächliche Reviews zeigen, was die Dinger können. Aber auch so wäre ich nicht bereit, für ein neues iPhone so viel Geld auf den Tisch zu legen, dafür benutze ich es zu wenig bzw. nutze zu wenig die Möglichkeiten.

Da ein Android-Gerät aber aus Gründen für mich nicht in Frage kommt wollte ich aber doch wenigstens bis zur Keynote warten um ein generalüberholtes und mit neuem Akku ausgestattetes iPhone 15 zu bestellen. Was ich heute vormittag dann auch getan habe.

Die Fahrradsteuer

Ich gestehe: ab und zu schaue ich noch in die Kommentarspalten vom Tagesspiegel. Ich weiß, ich weiß. Ich bin seit den 90ern im Internet unterwegs, ich sollte es besser wissen, don't feed the trolls... alles bekannt, ich weiß es doch auch nicht, vielleicht eine leicht masochistische Ader oder so ähnlich. Vor allem, da es immer die gleichen, lahmen Kommentare sind.

Beispiel? Es geht um Kiezberuhigung, Poller, Autobahnen, Radfahrer, motorisierter Individualverkehr, Großstädte, Radinfrastruktur oder irgendwas, was nur im entferntesten mit Fahrrädern zu tun hat, und du kannst dir sicher sein, dass irgendein Diesel-Dieter wieder lautstark nach einer Steuer plus Kennzeichenpflicht für Fahradfahrerinnen schreit, weil wir ja die Infrastruktur kostenlos nutzen, während er dafür zahlen muss, und weil wir* uns im Straßenverkehr ja komplett rücksichtslos verhalten und dafür nicht belangt werden können.

Lassen wir mal kurz außer acht, dass für Radfahrer deutlich weniger dezidierte Infrastruktur zur Verfügung steht und viele Radfahrer eher aus Gründen der Sicherheit statt Bequemlichkeit auf z.B. dem Bürgersteig fahren, weil genau diese Diesel-Dieters ebendiese Sicherheit durch ihr Verhalten gefährden, dann würde ihn meine Antwort vielleicht trotzdem überraschen.

Denn ich wäre zwar nicht für eine Kennzeichenpflicht, aus dem simplen Grund, dass ich keine Ahnung habe, wie ich das an meinen Bikes anbringen soll. Ich wäre allerdings für eine Abgabe. Ja, ganz ehrlich! Aber, und jetzt kommt der Kicker, unter folgenden Bedingungen:

  • Die Radinfrastruktur wird ausgebaut. Also... wirklich ausgebaut. Die soll nicht in irgendwelchen Planungsschleifen steckenbleiben, es muss einen Etat dafür geben, Kommunen müssen einfachen Zugriff darauf bekommen, und dann muss das auch gemacht werden. Es kann nicht sein, dass jedem Meter Radweg jahrzehntelange Planung und vor allem Kampf um den Platz dafür vorausgeht. Denn was Diesel-Dieter nicht versteht, wenn er mal wieder Schaum vorm Mund hat, weil bspw. an einer dreispurigen Straße eine Spur für Fahrräder reserviert wird und er denkt, ihm wird etwas weg genommen: wenn ich nicht mehr auf die Straße ausweichen muss, dann fließt der Verkehr insgesamt besser und alle haben gewonnen. Der Etat dafür kann ja aus den Abgaben gewonnen werden.
  • Die Radinfrastruktur wird instand gehalten. Also... richtig instand gehalten. Ein Schild mit "Radwegschäden" aufzustellen um sich aus der Verantwortung zu stehlen ist völlig inakzeptabel, in Berlin gibt es Radwege, die teilweise als lebensgefährlich bezeichnet werden müssen. Aber auch sonst wird Radinfrastruktur oftmals nur dann behelfsmäßig instandgehalten, wenn es gar nicht mehr anders geht. Wenn sich auf einer Straße ein für Autofahrer gefährliches Schlagloch oder vergleichbares auftut dauert es von Erkennung bis Reparatur vielleicht zwei bis drei Wochen, bis diese ausgebessert wurde, der gleiche Zeitraum muss für Radwege gelten. Auch hier: Etat, Abgabe...
  • Bußgelder drastisch erhöhen. Es muss ja nicht gleich ans Einkommen gekoppelt sein wie in anderen Ländern, was die beste Lösung wäre. Aber Diesel-Dieter tut es nur dann wirklich weh, wenn es an den Geldbeutel oder seinen Blechhaufen geht. Dass er mit seinem rücksichtlosen Verhalten meine Sicherheit und Unversehrtheit als Radfahrer gefährdet ist ihm egal. Und ja, wenn ich als Radfahrer über Rot fahre gilt das für mich genauso.
  • Bußgelder auch durchsetzen. Ich kann nur für Berlin sprechen, aber Autofahrern ist hier alles egal, weil sie wissen ja, dass sie nichts zu befürchten haben. Ordnungsämter müssen personell aufgestockt werden, Falschparker durch Kennzeichenscanner erfasst werden statt unsinnige Datenschutzdiskussionen zu führen (dein Blechhaufen steht im öffentlichen Raum!) und so weiter und so fort. Und auch hier: die anfänglichen Investitionen können über die Abgabe gedeckt werden und amortisieren sich über die zukünftigen Einnahmen.
  • Falschparker umsetzen, Zweite-Reihe-Parker umsetzen, Fahrradwegblockierer umsetzen. Es wird immer noch als Kavaliersdelikt angesehen, dabei sterben jedes Jahr Radfahrer*innen, weil sie deswegen auf die Straße ausweichen müssen. Again: es muss weh tun, immer und wieder nur ein Knöllchen unter den Scheibenwischer zu stecken interessiert die wenigsten.
  • Poller. Poller, Poller, Poller. Es ist das einzige wirksame Mittel um Kieze zu beruhigen und Radwege von Straßen zu trennen. Gekennzeichnete Radwege werden ignoriert, Fahrradstraßen werden ignoriert, Einbahnstraßen werden ignoriert, selbst niedrige Modalfilter werden von SUVs und Lieferanten ignoriert.

Ich denke das sind keine utopischen Forderungen, im Gegenteil. Aber ich weiß, sie werden nicht kommen. Denn es geht Diesel-Dieter ja gar nicht um gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, denn dann müsste er ja, Gott bewahre, sich vielleicht einschränken oder vernünftig verhalten oder auch mal kleinen Umweg fahren! Nein, er ärgert sich einfach nur über Radfahrerinnen. Und seine Lobby ist zu stark, die der Radfahrerinnen zu schwach, deswegen hat die Politik zuviel Angst und kein Interesse.

Deswegen muss weiter um jeden Kilometer Radinfrastruktur gekämpft werden, nur damit sich irgendein Bezirksbürgermeister stolz für die Presse auf den frisch eröffneten neuen Radweg stellen kann um ihn im Anschluss verkommen zu lassen. Deswegen werden Diesel-Dieters weiter Radwege als Abkürzung nehmen oder zuparken, wenn es ihnen nicht schnell genug geht und dabei andere Menschenleben gefährden, weil ihnen im schlimmsten Falle, also wenn sie einen Menschen damit töten, ein kurzer Führerscheinentzug und vielleicht eine Bewährungsstrafe drohen. Deswegen wird Berlin weiter in Autos ersticken, weil unser Bürgermeister sich "Freie Fahrt für freie Bürger" auf die Fahne geschrieben hat aber nichts dafür tut, dass der Verkehr tatsächlich entlastet wird.

Und deswegen interessiert es mich nicht, was ein Diesel-Dieter fordert. Deswegen werde ich weiter in der Mitte der Straße fahren und Autofahrer daran hindern mich viel zu knapp zu überholen, wenn es meiner Sicherheit dient. Werde weiter jeden einzelnen Radweg-Zuparker anzeigen. Und wenn Diesel-Dieter dann wieder in irgendeiner Kommentarspalte rumheult, wie rücksichtlos wir seien, während er für die Nutzung auch noch zahlen muss, dann lache ich. Heul ruhig lauter, Dieter. Deine Tränen sind mein Antrieb.

Notizen #2

Mittlerweile sind wir ja an dem Punkt im Jahr angelangt, an dem jeder wirklich schöne und warme Tag auch der letzte wirklich schöne und warme Tag in diesem Jahr sein könnte, bevor der Herbst Einzug hält. Ich hatte meine Arbeitswoche dafür etwas umgeplant um heute auf dem Bike sitzen zu können, stattdessen... naja, mache ich was anderes. Und merke, dass zumindest im Moment Radfahren nicht den Stellenwert hat wie noch vor ein oder zwei Jahren. Und dass das okay ist - ich finde gerade eine gute Balance.

Außerdem gibt es in den nächsten Wochen noch genug kleinere und größere Highlights.

Notizen

Ob das jetzt hier wirklich Tagebuch-bloggen wird weiß ich noch nicht, aber es kann ja wohl nicht angehen dass hier höchstens einmal im Monat etwas neues steht, von den Buchrezensionen mal abgesehen. Und da das hier sowieso fast niemand liest und ich eigentlich nur für mich schreibe kann ich es ja mal probieren.

Na jedenfalls hat der Silver Surfer beim Schaltwerk eine neue Übersetzung. Die 10-30-Kassette ist schon ein paar Wochen alt, mir ist erst nach der Bestellung so ein wenig bewusst geworden, dass 30 Zähne am größten Ritzel etwas sportlich ist, wobei das im Brandenburger Flachland um Berlin rum keine großen Auswirkungen hat.

Ganz neu dagegen die 52-39-Kombination der Kettenblätter. Da muss ich ein bisschen ausholen: sowohl am Silver Surfer als auch an Whitey Ford ist eine SRAM Rival AXS verbaut, die größte mögliche Kombination ist hier 48-35, wenn man bei Originalteilen bleiben will - eine größere Kombi aus dem Force- oder Red-Sortiment ist nicht möglich, weil der Spider anders aufgebaut ist. Die Lücke füllen dann Drittanbieter, von NoNames über AliExpress bis zu High End-Komponenten von bspw. Carbon-Ti. Die Wahl viel dann auf Kettenblätter aus Aluminium von TheMechanicalParts aus den Niederlanden, nicht übertrieben teuer, so dass ich den Spaß ja mal ausprobieren kann. Hab dann auch während der Lieferung erst gecheckt, dass ich diese Kombination ja schon bei Blackie Lawless montiert habe, ist also auch nicht so ungewohnt.

Also kurze Zusammenfassung: früher 48-35 und 10-36, jetzt 52-39 und 10-30. Bisher zwei Ausfahrten, die gut verliefen. Die größeren Kettenblätter kommen mir beim Antritt entgegen und die Chain Line ist gerade. Anscheinend knalle ich aber mehr Watt aufs Pedal, da das langsamere Treten sich etwas ungewohnt anfühlt. Die erste Bewährungsprobe ist dann wohl der Prenzlauer Hügelmarathon Anfang Oktober mit diversen kleineren Anstiegen, mal sehen wie mir die Kombi dann liegt. 52-10,11,12 oder sowas werde wohl selten bis gar nicht fahren, höchstens auf Abfahrten oder mit feinstem Rückenwind, aber genau dafür wollte ich das ja. Die Verarbeitung der Kettenblätter ist exakt und qualitativ gut, kann also nicht meckern.

Und wenns insgesamt nicht passen sollte baue ich eben alles wieder zurück. Easy peasy.

Brianna Wiest

The Mountain Is You: Transforming Self-Sabotage Into Self-Mastery

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Meh. Eine ganze Weile hatte ich zu den Büchern hier ja auch gleich den Link zu ebendiesen geteilt, kann mich jetzt auch nicht so recht erinnern warum das irgendwann verschwunden ist. Im Backend gibts das Feld dazu aber noch, und ich fülle es auch immer noch aus - man weiß ja nie, ob man das Feature nicht doch wieder haben will.

Hätte bei dem Buch hier den Link wohl als erstes recherchieren sollen: bei Amazon wird The Mountain Is You als "BookTok-Sensation" beworben. Da schrillen bei mir ja gleich die Alaermglocken und ich hätte es wohl gar nicht erst angefangen. So fühle ich mich halt bestätigt: Küchenpsychologie und Selbstoptimierung at it's best durch lauter markante Sätze, die sich ganz wunderbar in TikToks und Reels verarbeiten lassen.

If you are traumatized about relationships, you need to build healthy relationships. If you are traumatized about money, you need to get really good with money. If you are traumatized about traveling, you need to travel again.

Jo, und when I'm sad, I stop being sad and be awesome instead. So einfach ist das! Blöd nur, dass sich viele Blockaden im Kopf nicht einfach weglächeln lassen und Wiest dafür keine wirkliche Lösungen anbietet.

Ganz zum Ende hin kommt dann der einzige vernünftige Ratschlag: Talk to someone. Um das zu wissen braucht es aber dieses Buch nicht. Einer von fünf Bergen, spart euch den Quark und macht eine richtige Therapie.

Nathaniel Philbrick

In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex

3.5

Im Jahr 1820 wird der Walfänger Essex überraschend von einem Pottwal gerammt und sinkt. Die Crew kann sich in drei kleine Boote retten und driftet für mehr als 90 Tage auf See in der Hoffnung auf Erlösung.
Liest sich gut weg und man erfährt einiges über dumme Fehler aufgrund Vorurteilen, über eine Industrie, die gefährlich, brutal und nur vage erfolgsversprechend war, wozu Menschen in ihrer Verzweiflung fähig sein können, und was gesellschaftlich auch akzeptiert wurde. Ich fands interessant, zumal ich wenig über diese Epoche weiß. Dreieinhalb von fünf Schildkröten.