Verena Kessler

Gym

4

Die namenlose Protagonistin erschleicht sich mit einer Notlüge einen Job im MEGA GYM und gleitet immer weiter in die Szene ab. Aus anfänglicher Faszination wird Obsession, das Training wird immer intensiver, Steroide helfen ihr weiter und die Spirale geht immer weiter nach unten, nicht nur im Gym. Als jemand, der selber mit Body Dysmorphia hadert kann ich vieles in dem Buch nachvollziehen, zum Ende hin erinnert es mich schon sehr an The Substance und irgendwo finde ich es auch gut, dass viele Details aus ihrer Vergangenheit nicht wirklich aufgelöst werden. Hat mir ziemlich gut gefallen, vier von fünf Proteinshakes.

Sich genauso über die neuen Kopfhörer freuen wie die Innenverpackung.

Notizen #10

Ich schaue ja gerade Tulsa King und fühle mich da prima unterhalten, aber wie schon in Vera Wong's Unsolicited Advice for Murderers werden da zwischendurch NFTs erwähnt und wie absurd sich das heute anfühlt, dass dieser Quatsch mal als digitaler, monetärer Heilsbringer oder sowas dargestellt wurde, obwohl es eigentlich nur ein paar wirklich hässliche Affencomics waren, und obwohl das Dings noch keine zehn Jahre alt ist fühlt es sich komplett wie Steinzeit an. Blockchain übrigens auch, der Hypetrain ist schon lange abgefahren. Und vielleicht irgendwann auch KI. Ich glaube ja, dass z.B. die Alien-Serie, aber auch die Matrix-Trilogie auch heute noch so gut funktioniert ist weil es (noch) zu abstrakt ist, aber eben auch weil es so gut wie keine modernen Elemente gibt, die die Illusion einer Zukunft beeinträchtigen könnten.

Das ist aber wirklich nur ein Randgedanke. Tulsa King und Vera Wong sind beide toll, NFT war von Anfang an ein Scam. Das wars.

Divers

Every frame a picture. Dass ich mal sieben Minuten lang ziemlich gebannt Turmspringern bei ihrem Tun zuschauen würde und dabei, soviel sei schon verraten, keinen einzigen Sprung vollständig sehe, hatte ich nicht unbedingt auf meiner Checkliste. Ich gehöre ja auch den Menschen, die Online-Videos mittlerweile ungeduldig im Sekundentakt vorwärts skippen um sie schneller zu "sehen, aber tut euch hier wirklich den Gefallen und lehnt euch zurück.

Diverse

The Time Traveler's Passport

3

John Scalzi - 3 Days, 9 Months, 27 Years 3.5
Zeitreisen sind möglich und werden für Tourismus genutzt, wir schauen dabei einem Techniker des Anbieters über die Schulter. Weniger Handlung und mehr gute und wichtige Gedanken zu den ganzen Paradoxen, aber deswegen fällt es mir schwer, für den Twist am Ende eine Emotion aufzubauen. Auch eine Kurzgeschichte, die mehr Raum bräuchte. Und verdient hätte.

R.F. Kuang - Making Space 3
War mir etwas zu vorhersehbar. Wobei der Gedanke, dass wir gerade die Welt brennen lassen, und die Kinder der Zukunft dafür die Rechnung zahlen müssen nur weil sie ein paar Jahre später geboren wurden ja durchaus wichtig ist.

Peng Shepherd - For a Limited Time Only 4
Russ ist Vertreter, der nicht von Haus zu Haus, sondern von Zeitpunkt zu Zeitpunkt tingelt. Die Prämisse ist gut, der Spin auch, das Format Kurzgeschichte passte hier für mich gut.

Kaliane Bradley - A Visit to the Husband Archive 2
Irgendwas mit Aliens und Ehemännern in Archiven und Wissenlücken und Göttern und so richtig ist bei mir hier eigentlich nichts hängen geblieben.

Olivie Blake - All Manner of Thing Shall Be 2
Puh, also irgendwie hat sich das alles wie ein Vorgeplänkel für eine richtige Handlung gelesen, die dann aber nicht kam. Nicht so meins.

P. Djèlí Clark - Cronus 4
Die letzte Kurzgeschichte stimmt mich dann doch noch versöhnlich, handelt es sich doch tatsächlich mal um eine Geschichte, und das sogar in interessant und kurzweilig und spannend!

Aber ich denke ich habe dann jetzt auch genug von den den Amazon-Sammlungen...

Notizen #9

  • Heute beruflich ein M3 Macbook Air zurückgesetzt und das auf dem Recovery Image befindliche Sonoma installiert. Ich weiß nicht ob das Interface vor zwei Jahren peak level design war, aber ich hab im direkten Vergleich wieder für mich gemerkt, wie schlecht Liquid Glass eigentlich ist. In dem Zusammenhang: Nikita Prokopov über das Icon-Desaster, Jim Nielsen geht mit und Howard Oakley über Tahoes UI.
  • Überhaupt war Einstellungen wirklich suchen müssen mal eine Domäne von Microsofts Systemsteuerung, Apple gibt sich in dem Bereich aber mittlerweile nicht mehr viel.
  • Nutze beruflich gerade ausschließlich das Thinkpad und bin davon nach wie vor sehr angetan. Neovim habe ich aufgegeben: unglaublich mächtig, aber eben auch ein Baukasten mit unübersichtlicher Dokumentation, auf den ich dann doch keine Lust habe. (VS) Code reicht mir auch hier völlig und fühlt sich eben vertraut an. Die Bedienung per Tastatur dagegen ist effizient und schnell, sowieso fühlt sich alles gut snappy an. Macht Spaß!
  • Mal so aus Interesse recherchiert, was es mit dem "Verbrenner-Aus" eigentlich auf sich hat, denn mehr als den Begriff hat man in den Nachrichten ja nie gelesen. Und mich danach gefragt, warum da eigentlich alle auf die Barrikaden gegangen sind. Und mir dann die Frage selbst beantwortet: siehe oben, mehr als den Begriff hat Diesel-Dieter wahrscheinlich nie mitbekommen.

Adam Grant

Hidden Potential – Die Wissenschaft des Erfolgs

3

Mhjoa, ich denke so langsam reicht es bei mir dann auch mit Büchern zur (Selbst-)Optimierung. Der Schreibstil ist gut, ja, man merkt auf jeden Fall, dass Grant das Anliegen wirklich wichtig ist, die Stories sind weiterhin interessant, auch ja, und ich erkenne mich auch in einigen Problemen bzw. Lösungen wieder, nochmal ja, bei Hidden Potential geht es aber eher um äußere, gesellschaftliche Einflüsse auf die ich als Einzelner nur sehr bedingt Einfluss habe oder sie gar ändern könnte. Und am Ende weiß ich gar nicht so recht, ob ich jetzt motiviert oder ernüchtert bin. Drei von fünf Rohdiamanten.

József Debreczeni

Kaltes Krematorium: Bericht aus dem Land namens Auschwitz

5

Der Journalist und Dichter József Debreczeni wurde 1944 als Jude nach Auschwitz deportiert, machte Station in den Außenlagern Falkenberg, Schloss Fürstenstein und Dörnhau, wo er 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs schreibt er schonungslos über das Erlebte. Zunächst wenig beachtet wurde es wohl erst im letzten Jahrzehnt sozusagen wiederentdeckt und ins Englische übersetzt. Und jeder sollte es gelesen haben. Wehret den Anfängen.

Jesse Q. Sutanto

Vera Wong's Unsolicited Advice for Murderers

3.5

In Vera Wongs weltberühmten Teehaus liegt eines Morgens ein toter Mann auf dem Boden. Die Polizei will nicht so richtig ermitteln, also muss Vera das ganze natürlich selbst in die Hand nehmen.

Bei Storygraph ist das vermutlich meistbenutzte Adjektiv, um Vera Wong's Unsolicited Advice for Murderes zu beschreiben cozy, und das trifft es ziemlich gut.Der Krimi selbst ist einfach gestrickt, die Auflösung subjektiv etwas übers Knie gebrochen, aber da es sowieso viel mehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht ist das komplett vernachlässigbar. Die potentiellen Täter sind für mich dabei etwas... forciert? Blass? Ich kann mich nicht so recht entscheiden: obwohl wichtig für die Handlung fühlen sich sie sich für mich ein bisschen wie Statisten an. Aber auch hier: macht nix, dann über allem steht Vera Wong, bei der man schon nach den ersten Seiten ziemlich genau weiß, wie bei ihr der Hase läuft, und die man einfach ins Herz schließen muss.

Leichter Krimi mit liebenswerten Charakteren - cozy eben. Werd mir den zweiten Teil safe auch noch geben. Dreieinhalb von fünf Teesorten.