neuseen classics die Dritte

Bei der Anmeldung zu Jedermannrennen wird üblicherweise auch ein Notfallkontakt abgefragt, der benachrichtigt wird, sollte einem bei der Veranstaltung etwas zustoßen.

Am Sonntag spontan doch noch zum dritten Mal die neuseen Classics in Leipzig mitgefahren. Vor zwei Jahren war das ja mein erstes Rennen überhaupt, die Strecke hat sich seitdem auch nicht geändert und so kann ich da ganz gut einen Vergleich ziehen, ob und wie sich meine Leistung über die letzten zwölf Monate so verändert hat. Und gleichzeitig war das auch mein erstes Rennen in diesem Jahr, nachdem ich beim Hasenrasen ja krank war und mir das Kriterium Rund ums Südring Center südlich von Berlin Anfang der Woche gespart habe, weil ich da eh nix gerissen kriege und vermutlich nur frustiert nach Hause gefahren wäre. Ja, ich hatte Bock, und das richtig.

Startblock A, der erste Sturz ungefähr zehn Meter nach dem Start sollte wohl ein Vorzeichen für die nächsten rund 150 Minuten sein, und so bleibt es auch fürs erste Drittel ziemlich unruhig. Bei den kurzen Anstiegen die ersten Verbremser von den Vordermännern, ich muss auch leicht bremsen um nicht auf den Vordermann aufzufahren und höre hinter mir die Stürze. Nachschauen, ob alles okay ist ist keine Option, dafür sind die Stücke zu schmal und komplett voll mit anderen Fahrern, und in Gedanken hoffe ich einfach nur, dass nichts schlimmeres passiert ist. Der erste schale Beigeschmack. Ich bin nicht schuld, aber trotzdem irgendwo Teil davon.

Kilometer 30, aus einer Rechtskurve kommend biegen wir auf eine völlig unscheinbare, leicht abwärts gehende Gerade und sehen ein paar Hundert Meter weiter den Krankenwagen mit Blaulicht auf der Straße stehen. Die Gruppe wird langsamer, kommt fast zum Halt, ein Helfer bedeutet uns langsam in Einerreihe vorbei zu fahren, ich sehe Fahrer auf der Straße liegen, Fahrer im Seitengraben, überall ist Blut. Durch Hörensagen später erfahren, dass jemand beim Attackieren wohl aus Versehen ausgeklickt und gestürzt ist und die anderen dabei mitgenommen hat.

Ich will nicht mehr. Überlege kurz, ob ich einfach hier und jetzt anhalte und erst mal heule. Überlege kurz, ob ich meine Gruppe ziehen lassen soll, das Rennen für mich alleine zu Ende fahre. Überlege, dass die gestürzten Fahrer Familie haben, Partner, Kinder, Eltern, Freunde. Die zuhause sind, vielleicht am Ziel warten, die wissen, dass das ganze hier ein Sport mit Risiko ist, die sich Sorgen machen, und die heute "den Anruf" kriegen werden. Hallo, sind sie Person XY, sie sind der Notfallkontakt von ABC, es ist etwas passiert. Stelle mir vor, wie es meiner Freundin dabei gehen würde wenn das Handy klingelt und eine Nummer aus Leipzig aus dem Display erscheint, was mich in dem Moment fast zerreisst.

Fahre weiter, konzentriere mich wieder aufs Rennen. Die Gruppe wird ruhiger, wir fahren über breite Straßen mit entsprechend Platz, die Gedanken driften nochmal kurz ab zu der Szene von eben, die Emotionen kommen wieder hoch. Bei Kilometer 85 oder so dann nochmal ein Sturz direkt hinter einer engeren Kurve, vier Fahrer liegen auf dem Boden, alle okay, warum das jetzt passiert ist checke ich aber auch nicht.

Und dann bin ich im Ziel und das Rennen ist vorbei. Ganz nüchtern betrachtet bin ich mit meiner Leistung absolut zufrieden, aber das ist nicht nicht das, was von diesem Tag hängen bleibt. Und dann frage ich mich, ob es das wert ist. Ich bin in keinem Team, ich habe keine Sponsoren, ich fahre nie volles Risiko, ich muss niemandem etwas beweisen außer mir selbst. Aber ich habe Menschen zuhause, die mich lieben, die sich jedes Mal, wenn ich aufs Rennrad steige, Sorgen machen, und denen ich den Anruf eigentlich ersparen möchte. Gerade weiß ich noch nicht so recht, was ich daraus machen soll.

Pfingstmontag. Rennen mal Rennen sein gelassen, ich krieg da sowieso nichts gerissen und wäre vermutlich nur dezent frustriert wieder nach Hause gefahren. Stattdessen den Feiertag genutzt und mit guten Menschen eine gute Runde zur Oder gefahren.

Zwei Platten bei den anderen, einen Mini-Kompressor mal in Aktion gesehen - macht Geräusche wie ein Furz, funktioniert aber echt gut - durch die Gewitter durchgemogelt, Coffee-Stop irgendwie ausgelassen, bissle Schnack und ich merk wieder, dass das dieses Rennradfahren ist, was mir am meisten Spaß macht.

Foto: Steffen Weigold

Science Fiction

★★★★

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Oh das war schön. Einfach schön. Science Fiction ohne ein Untergangsszenario oder eine dystopische Zukunft, stattdessen stehen die Charaktere ganz klar im Vordergrund. Jeder und jede einzelne von ihnen ist wichtig und ihre Geschichte auch einfach gut erzählt. Zeitweise hat sich das große Ganze ein wenig nach Episoden angefühlt, das finde ich in dem Kontext der Charakterentwicklung aber völlig okay, auch dass die Mission der Wayfarer eher in den Hintergrund rückte hat mich nicht gestört.

Dafür ist nämlich alles andere toll: so viele weibliche, starke Charaktere. Aliens, die über ihre Lebenszeit ihr Geschlecht ändern, was tatsächlich auffällt wenn man bei Science Fiction sonst immer auf die merkwürdigsten Kreaturen trifft, die aber trotzdem immer männlich oder weiblich sind. Hier ist stattdessen mal nicht jeder weiß und/oder hetero, es gibt Liebschaften zwischen Mann und KI, Menschen sind genauso schräg wie Aliens, und auch wenn das Universum hier auch nicht gerade der schönste Ort ist macht die Crew der Wayfarer das beste daraus und wächst einem ans Herz und das ist, ich wiederhole mich, einfach schön. Ich hoffe sehr, dass die weitere Bücher auch so gut sind. 4,5 von 5 Wurmlöcher.