Zerdenken

Gestern wollte ich mit dem Rennrad von Rostock nach Berlin fahren. Mit dem Zug um 19:30 Uhr hin, um kurz nach 22 Uhr am Leuchtturm von Warnemünde starten und dann ca. 270 Kilometer durch die Nacht zurück. Die Strecke bin ich in weiten Teilen in entgegengesetzter Richtung schon mehrmals gefahren, die Distanz ist natürlich anspruchsvoll, aber für mich machbar, ich hab mir im Vorfeld bereits Stopps an 24h-Tankstellen und Trinkwasserbrunnen rausgesucht, nachts sind weniger Autos unterwegs was grundsätzlich alles entspannter macht...

...und bin nicht gefahren. Je länger ich über dieses kleine Abenteuer nachgedacht habe, desto nervöser wurde ich. Hab mir überlegt, was alles schief gehen könnte. Dass es dieses hundert Kilometer lange Teilstück ohne Möglichkeit zum Auffüllen der Wasserflaschen oder der Vorräte gibt. Dieses. Jenes. Immer und immer wieder die Strecke angeschaut, während sich mein Körper mehr und mehr zusammenzog. Und ich am Ende nur 80 Minuten lang ein paar Runden auf dem Tempelhofer Feld gedreht habe, um diese Gedankenwelt, mit der ich mich nicht wohl fühle, irgendwie vor mir selbst rechtfertigen zu können. Dass ich bis kurz nach 19 Uhr warte um mir dann sagen zu können, dass es jetzt ja eh zu spät ist. Dass ich die Buchung für den Zug verfallen lasse. Dass ich mich - wieder - der kleinen Herausforderung nicht stelle, weil ich Angst habe vor... ja, wovor eigentlich?

Und das ist nicht nur beim Sport so.

Und das muss sich ändern.

Ich weiß gerade nur nicht wie.