Emily St. John Mandel

Das Meer der endlosen Ruhe

Science Fiction

★★★★★

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Was für ein tolles Buch. Science Fiction mal ohne Weltraum oder Aliens oder Raumschiffe, stattdessen mehrere Schicksale aus der Vergangenheit, Gegenwart, und Zukunft, die nur oberflächlich keine Verbindung zueinander haben, bis dann die ersten kleinen Unstimmigkeiten auftauchen und es letztlich um die Frage geht, ob die gesamte Existenz eigentlich nur eine Simulation ist, und es fühlt sich ein wenig wie eine nicht-ganz-so-dystopische Version von 12 Monkeys an, und mehr kann ich nicht schreiben ohne zu spoilern, aber alles, also wirklich alles ist toll durchdacht und toll geschrieben und ich wiederhole mich jetzt einfach: was für ein tolles Buch. Fünf von fünf Simulationen.

Brötchenfail

So, und weil ich mich beim Brot wohl ein bisschen überschätzt habe heute dann gleich Brötchen ausprobiert. So richtig klassisch Weizenbrötchen.

Bei den Mengenangaben direkt mal Wasser und Mehl vertauscht und mich gewundert, wieviel ich da noch nachkippen muss, vermutlich auch zu kurz gehen lassen weil ich bei ein ungeduldiger Mensch bin, und ein Gasofen ohne Oberhitze ist für diesen Zweck wohl auch nicht so optimal. Waren im Ergebnis zwar knusprig aber fad. Versuch macht klug, ich probiers weiter.

Das erste Mal: Brot

Gibt ja hin und wieder doch noch so Dinge, die man zum ersten Mal macht, in diesem Fall: Brot. Das Rezept dafür hab ich bei Kay Jaster gefunden, und das war nicht mal besonders schwer: 250 Gramm Mehl, 250 Gramm Magerquark, ein Ei, halbe Packung Backpulver, bisschen Röstzwiebeln, Oregano, Salz. Alles in eine Schüssel, ordentlich verkneten und in Brotform bringen, eine Stunde bei 190°C in den Ofen. Das wars. Kriegt sogar ein Larry wie ich hin. Und geschmeckt hats richtig richtig gut!

Sayaka Murata

Das Seidenraupenzimmer

Fiction

★★★★

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Natsuki ist nicht wie die anderen Kinder, sie kann zaubern und kommt von einem fremden Planeten. Sie verbringt die Sommer mit ihrem Cousin Yu in den Bergen von Nagano, und die beiden schwören sich zu überleben, koste es was es wolle. Jahrzehnte später treffen sie sich wieder, Jahrzehnte, in denen Natsuki viele schlimme Erfahrungen machen musste.

Das ist die Prämisse und ich weiß auch nicht so genau warum ich hier ein Coming-of-Age-Drama erwartet habe, wo es tatsächlich eine Parabel auf die moderne Gesellschaft ist, in der Menschen Autorität von Geburt an in die Wiege gelegt wird, es Machtgefälle gibt und von frühester Kindheit an eindeutige Erwartungen an die Mitglieder einer Gesellschaft gestellt werden. Und selbst das beschreibt noch nicht wie verstörend Das Seidenraupenzimmer ist, und ich spreche hier mal so ziemlich jede Triggerwarnung aus, die man sich nur vorstellen kann. Es ist ein wirklich gutes Buch, wie für japanische Literatur wohl typisch auch etwas nüchtern geschrieben, und ja, irgendwie will man es auch lesen - aber es ist eben kein schönes Buch, und dessen sollte man sich wohl bewusst sein. Vier von fünf Seidenraupen.

Ein bisschen Gesellschaft

Der erste längere Ride draußen in diesem Jahr! Grundlage war angesagt, Pferde sind dann doch ein wenig durchgegangen weil naja... es macht halt Spaß! Form scheint auch gut sein, und das ganze zusätzliche Krafttraining scheint subjektiv schon was zu bringen. Ich kann mich jedenfalls nicht beklagen und der Körper scheint die 127 Kilometer auch gut weggesteckt zu haben, aber fragt mich das lieber morgen nochmal.

Und beim ersten Coffee Stop in diesem Jahr dann auch ein wenig Gesellschaft gehabt. Kann gerne so bleiben!

Ja. Hast du das nicht gewusst?

Wieder ein älterer Post, dieses Mal von 2015. Hab ich aber auch noch in Erinnerung und möchte den auch hier haben.

Die Odenwaldschule hat am Samstag den 25. April 2015 bekanntgegeben, dass sie den Betrieb zum Ende des Schuljahres einstellen wird. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen genug Geld zu besorgen um den unbefristeten Betrieb der Einrichtung zu sichern, derzeit sind zudem nur etwa 120 Schüler im Landerziehungsheim untergebracht, um profitabel zu sein bräuchte man wenigstens 200 Schüler. Das ist das Resultat aus der öffentlichen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, der 2010 erst so richtig bekannt wurde.

Ich hatte diesen Moment eigentlich erwartet, die Frage war nur wann es passieren würde. Und trotzdem, nachdem es nun bekanntgegeben wurde wirkt es befremdlich.

Ich war Schüler der Odenwaldschule. Von 2003 bis 2005 habe ich dort die Oberstufe besucht, mein Abitur sozusagen nachgeholt und gleichzeitig eine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten absolviert. Ich war 20 Jahre alt als ich auf die Schule kam, in meiner Jugend habe ich den normalen Schulweg ziemlich verbockt und war mit anderen, für mich wichtigeren Sachen beschäftigt. Ich war froh nochmal eine Chance zu kriegen, war froh dass meine Eltern mir den Besuch der Schule ermöglichen konnten. Der Altersunterschied zu meinen Mitschülern kam nie zur Sprache, er war egal. Vielleicht hat nicht jeder darüber gesprochen, aber so ziemlich jeder dort hat seine Geschichte, sein Päckchen, also war man sich irgendwo verbunden und alles andere war unwichtig. Außerdem hatte durch die räumliche Enge ohnehin jeder mit jedem zu tun, egal in welcher Klasse man nun war. Der Wahlspruch der Odenwaldschule lautet “Werde, der du bist”, und zumindest auf mich traf das zu. Ich war stolz, ein Odenwaldschüler gewesen zu sein.

Fünf Jahre später erfuhr ich von den Missbräuchen.

Es war nur ein Artikel in einer Zeitung, ich glaube die ganze Dimension war damals noch gar nicht so offensichtlich, aber für mich war es ein kleiner Schock. Ich begann, Erlebtes in der Odenwaldschule neu zu bewerten. Erzählungen, die ich damals noch als ein wenig creepy abgetan habe wirkten auf einmal erschreckend real. Institutionen, die es zu meiner Zeit “einfach gab”, die aus bzw. wegen dieses Skandals gegründet wurden. Vorfälle, nicht sexueller, wohl aber doch übergriffiger Natur, die auch zu meiner Zeit an der Odenwaldschule passiert sind. Alles fühlte sich auf einmal anders an.

Ein Jahr später kam der Dokumentarfilm “Und wir sind nicht die Einzigen”, der die Opfer in einer ruhigen und gerade dadurch gewaltigen Art zu Wort kommen lässt. Ich besuchte die Premiere in Berlin, sah Ex-Schüler, Ex-Lehrer, ja sogar meinen damaligen Schulleiter im Publikum. Die Dimension erschlug mich, ich war sprachlos und den Tränen nahe. Die Vorstellung, dass dieser Ort, an dem ich drei so wunderbare Jahre verbrachte, für so viele Menschen die Hölle auf Erden gewesen sein muss war für mich unerträglich.

Es gibt ein Forum für Altschüler zum Austausch, zur Organisation und dergleichen. Ich habe es meist eher halbherzig verfolgt, die meisten Themen interessierten mich nicht wirklich, und das Altschülertreffen alle zwei Jahre in den Herbstferien der Odenwaldschule wurde eh über Briefe angekündigt. Aber den Link zu ebendiesem Artikel teilte ich in dem Forum, weil ich dachte, er würde auch andere interessieren. Der erste Kommentar im Thread “Ja. Hast du das nicht gewusst?”

Ja. Hast du das nicht gewusst?

Nein, ich habe das nicht gewusst. Ich wusste auch nicht dass sich bereits 1998 zwei Opfer in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit wanden und die Sache publik machten. Dass die Polizei das Verfahren damals wegen Verjährung eingestellt hat. Dass die Schule zu dieser Zeit kein Interesse an der Aufarbeitung hatte. Ich weiß warum nichts getan wurde, man wollte wohl den Fall vermeiden, der jetzt eingetreten ist. Aber ich kann es nicht verstehen. Es war zu dieser Zeit ein weiterer Schlag ins Gesicht für jede und jeden, für den die Odenwaldschule nicht das erhoffte Paradies war. Und es machte mich wieder sprachlos, wie lapidar mir das entgegnet wurde.

Ja. Hast du das nicht gewusst?

Ich war seitdem nicht mehr auf der Odenwaldschule. Ich hatte Angst davor wie ich reagieren würde wenn ich dort auf Menschen treffe, denen ich vertraute, Schüler wie Lehrer. Die 1998 bereits auf der Schule waren als zwei Menschen den Mut aufbrachten ihre Geschichte öffentlich zu machen. Die gar in den 70ern auf der Schule waren, als es passiert ist, und weggesehen haben. Die Odenwaldschule war für mich eben nicht nur Schule sondern drei Jahre lang mein Leben. Und ich war wütend. Oh so wütend, dass ich wirklich nicht wusste ob ich sie nicht einfach am Kragen packen würde, sie anschreie, warum sie nichts getan haben, warum mir nur ein lapidarer Kommentar entgegnet wird.

Ja. Hast du das nicht gewusst?

Ich habe, glaube ich, nie konkrete Zahlen gesehen, also informierte ich mich. Man spricht von 33 Opfern in 50–100 Fällen, an denen acht bis zehn Lehrer beteiligt waren. Die Dunkelziffer wird höher sein. Ich erinnere mich wieder an den Film, erinnere mich wieder wie es nicht ein Einzeltäter war, sondern ein ganzes System zum Zweckes des Kindesmissbrauchs aufgebaut wurde. Und bin wieder sprachlos.

Ja. Hast du das nicht gewusst?

Und jetzt schließt die Odenwaldschule. Es fehlt an Geld, sehr viel Geld. Im Altschülerforum wird zwar noch diskutiert, dass man bis zum 30. Mai 2015 eine niedrige siebenstellige Summe aufbringen müsse um den Betrieb aufrechtzuerhalten, und man das über Darlehen und Spenden vielleicht noch erreiche könne, aber ich habe das Gefühl dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Der Trägerverein der Odenwaldschule hat bei der Aufarbeitung des Skandals Fehler gemacht. Es gab einen weiteren aktuellen Fall, der von der Schule zwar völlig korrekt behandelt wurde, für die öffentliche Wahrnehmung natürlich trotzdem eine Katastrophe war. Die Odenwaldschule wäre diesen Ruf nie wieder losgeworden, sie hätte ihm wenn überhaupt nur mit einer ebenso direkten Aufklärung entgegen treten können. Aber das ist nicht passiert, und das Vertrauen ist dahin. Vielleicht geschieht ja noch das Wunder und sie kriegen die benötigte Summe zusammen. Ändern würde das aber nur wenig, und nächstes Jahr wäre man wohl wieder am selben Punkt. Und so leid es mir für die Lehrer, Mitarbeiter und vor allem die Schüler tut: ich erwische mich dabei zu denken, dass es vielleicht besser so ist.

Ich habe meinen Vater mal gefragt, ob er die Odenwaldschule auch noch für mich in Betracht gezogen hätte, wäre das alles schon 2003 bekannt gewesen.

Nein, hätte er nicht.

Keine Ahnung ob das mit gerade mal fünf Büchern schon Sinn macht, aber egal: es gibt jetzt eine dezidierte Seite für alle gelesenen Bücher.

Elias Hirschl

Content

Fiction

★★★☆☆

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Irgendwann über Nilz auf Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein gestoßen, die auf TikTok Lukis Zungen gemacht haben, was so absurd wahnsinnig lustig war, dann zu meiner Überraschung noch festgestellt, dass die beiden für Worst of Chefkoch verantwortlich waren, dass ich ja auch ziemlich lange ziemlich gefeiert habe, und die jetzt halt auf Threads weiter auf eine absurde, wahnsinnige, intelligente Art lustig sind und mit Häppchen & Sekt ihre eigene kleine Stand Up Comedyshow haben. Man könnte also sagen, dass ich die beiden, nun ja, ziemlich knorke finde. Und wenn Lukas dann in einer Instagram Story Content von Elias Hirschl empfiehlt... dann lese ich das auch.

Die Welt geht unter, aber bis es soweit ist schreibt die Protagonistin weiter sinnbefreite Listen für eine seelenlose Content-Farm, während sie sich in der Freizeit um die durchgedrehte Kollegin kümmert und sich mit Jonas trifft, der ein Startup nach dem anderen gründet und die Welt zu einem besseren Ort machen will. Oder so ähnlich.
Das ist schräg und unterhaltsam und alles leider gar nicht mal so weit hergeholt, schon allein weil das Buch ja erst ein paar Tage alt ist und dabei auch die aktuellsten Entwicklungen aufnimmt. Musste jedenfalls schmunzeln als ich Bluesky las und hab mich gefragt warum sie die Listen nicht von einer KI schreiben lässt - was sie dann auch tut. Und ey, niemand sagt X und ich bin froh, dass Elias Twitter auch weiter Twitter nennt.
Nur wird die Oberflächlichkeit, die alledem zugrunde liegt, erst relativ spät in dem Buch präsenter, dringt aber nie so richtig durch. Und dann fiel mir American Psycho von Bret Easton Ellis wieder ein, der dieses Narrativ vor mehr als 30 Jahren perfekt auf die Spitze getrieben hat, und vielleicht ist es auch etwas unfair von mir, diese beiden Bücher zu vergleichen, aber ich habe nun mal das Gefühl, dass die beiden Geschichten von der Prämisse her sich gar nicht mal unähnlich sind. Nicht falsch verstehen, ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und kanns auch empfehlen, aber wenn ich mich zwischen den beiden Büchern entscheiden müsste wäre meine Wahl relativ klar. Drei von fünf Listicles.

2024

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